Lavendelöl

Wirkung, Andwendung, Qualität & Kaufempfehlung

Author

Dr. Lisa Dinh

Lesedauer: 14:11 min

Letzte Änderung: 11.10.2019.

Der Lavendel ist eine Pflanze aus der Gattung der Lippblütler der heute vor allem als Zierpflanze und zur Gewinnung von Aromastoffen dient. Es gibt 3 Arten von Lavendel, aus denen jeweils Lavendelöl unterschiedlicher Qualität gewonnen wird.

Bezeichnung Lavendel
Botanischer Name Lavandula latifolia
Englischer Name Lavender Oil
Synonyme Echter Lavendel, Lavander, Kleiner Speik
Ursprungsländer Mittelmeerraum
Preis pro 10ml 7,90

Echter Lavendel (Lavandula Angustifolia), Speik-Lavendel (Lavandula latifolia) und der Lavandin (Lavandula hybrida). Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich rund um das Mittelmeer. Der Duft von Lavendelöl ist typisch würzig.

Kaufempfehlung

Achten sie beim Kauf unbedingt auf die Qualität des Lavendelöls. Leider werden auch in Deutschland immer mehr verunreinigte oder bereits stark oxidierte Öle angeboten. Diese können Reizungen auf der Haut verursachen und riechen in stark beissend oder nicht nach Lavendelöl. Das Lavendelöl von Baldini können wir in diesem Fall sehr empfehlen.

Lavendelöl von BALDINI
Lavendelöl von NAISSANCE
Lavendelöl von GRACE &
Lavendelöl von LATITOP

Psychische Wirkung

Lavendel wirkt bewiesenermaßen beruhigend auf das zentrale Nervensystem. Dr. Julia Eidt untersuchte in ihrer Dissertation an der Universität München die Auswirkungen von Lavendelöl im Vergleich zu Orangenöl und sogenannten Placebos. Placebos sind Medikamente ohne Wirkstoffgehalt, welche die Heilung durch den Placeboeffekt fördern.

Dr. Eidt konnte nachweisen, dass die Wirkstoffe im Lavendelöl tatsächlich fördernd für unseren Schlaf sind. In ihrer Dissertation untersuchte sie auch die Auswirkungen von Lavendelöl auf unsere Stimmung und konnte Hinweise darauf finden, dass Menschen, welche dem Duft des Lavendelöls ausgesetzt waren, über ein höheres Konzentrationsvermögen verfügen. Sie führte diese Wirkung des Lavendelöls darauf zurück, dass er unsere Grundstimmung beruhigt und ablenkende Gedanken verschwinden lässt.

Darüber hinaus verringert Lavendel Nervosität und beugt so Angstgefühlen und Unruhe vor. Lavendelöl ist ein bewährtes Mittel bei Schlafstörungen. Trotz seiner ausgleichenden, beruhigenden Wirkung, erfrischt und belebt Lavendel tagsüber. Er vertreibt Depressionen und hellt die Stimmung zuverlässig auf.

Bei Ess-Störungen aller Art kann Lavendel eine Psychotherapie begleiten. Die appetitanregende Wirkung ist vor allem bei Magersucht, Anorexia nervosa, hilfreich. Auch bei der Bulimie, der Ess-Brech-Sucht, kann Lavendel die Psyche unterstützen. Lavendel wirkt ausgleichend und kann so helfen, das verloren gegangene, psychische Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die entkrampfende, beruhigende Wirkung von Lavendel ist sogar so stark, dass es als Mittel bei Angststörungen wie Panikattacken oder Agoraphobie eingesetzt werden kann. US-amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Lavendelöl den für die Übermittlung von Nervenreizen notwendigen Ionenaustausch in den Nervenfasern hemmt. Außerdem stärkt Lavendel das parasympathische Nervensystem, das auch als Ruhe- oder Erholungsnervensystem bezeichnet wird.

Körperliche Wirkung

Aufgrund der unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen in den Ölen der 3 Lavendelsorten unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung. Alle 3 Öle wirken ähnlich, nur eben unterschiedlich stark. Welches Öl Du kaufst, erkennst Du am Namen.

Alle Lavendelöle vernichten Bakterien und Pilze. Zudem wirken sie entzündungshemmend.

Speiklavendelöl Dieses ätherische Öl hat gute Heilwirkung, ist jedoch schwächer als echtes Lavendelöl aus Lavandula augustifolia. Vor allem bei der Insektenabwehr leistet es gute Dienste.

Lavandinöl Lavandinöl entsteht aus Hybridpflanzen und wird vor allem in der Parfum- und Kosmetikindustrie benutzt. Im Vergleich zum echten Lavendel sind die Heilwirkungen dieser Öle eher gering. Unter dem Sammelbegriff Lavandin fungieren drei verschiedene Hybridlavendel. Lavandin Super ähnelt dem echten Lavendel, Lavandin abrialis lässt sich mit Speiklavendel vergleichen. Die Sorte Grosso hat eine besonders hohe Ausbeute und wird als Kompromiss zwischen Lavandin super und Lavandin abrialis betrachtet.

Gegen Infektionen

Aufgrund des sehr hohen Linaloolgehaltes in allen 3 Lavendelölsorten besitzt das Lavendelöl allgemein sehr gute antimikrobiotische Eigenschaften. In ihrer Dissertation an der Universität Regensburg bewies Dr. Michaela Braun, dass Lavendelöl gut gegen den Erreger Staphilococcus aureus zum Einsatz gebracht werden kann. Dieser Erreger ist Auslöser von MRSA. MRSA (multiresistente Staphilococcus aureus) stellen heute in der modernen Medizin ein großes Problem dar, da diese Erreger gegen die meisten Antibiotika Resistenzen entwickelt haben und jährlich mehrere tausend Menschen in Deutschland durch MRSA getötet werden.

Außerdem wirkt das Lavendelöl auch gut gegen sogenannte Kolibakterien (escheria coli). Kolibakterien sind im Darm beheimatet und bekannt dafür, dass sie Vitamin K bilden. Bei entzündlichen Darmerkrankungen ist meistens dieser Mikroorganismus dafür verantwortlich. Lavendelöl kann dem vorbeugen.

Bei Infektionen der Ohren hat sich Lavendel ebenfalls bewährt. Selbst Babys und Kleinkinder können bei Ohrinfektionen mit ein paar Tropfen Lavendelöl im äußeren Gehörgang behandelt werden.

Lavendelöl für eine schönere Haut

Durch den hohen Gehalt an Kampfer wird die Haut bei Auftragung von Lavendelöl stärker durchblutet. Das fördert die Selbstheilungskraft und die Neubildung von Zellen in der Haut. Diesem Effekt wird auch zugeschrieben, dass mit Lavendelöl behandelte Schwangerschaftsstreifen besser abheilen können und allgemein die Narbenbildung vermindert wird.

Gegen Akne und andere Hautkrankheiten

Hier spielt das im Lavendelöl enthaltene Linalool eine entscheidende Rolle. Durch seine entzündungshemmende Wirkung kommt es auf der Haut zu einem reinigenden und desinfizierenden Effekt. Dies beugt der Bildung von Akne vor. Bei bereits vorhandener Akne hat das Lavendelöl positive Auswirkungen auf die Heildauer.

Auch bei schwereren Hauterkrankungen wie der Psoriasis (Schuppenflechte) kann das Lavendelöl helfen. Von Schuppenflechte Betroffene können oft nur ein sehr eingeschränktes Leben führen. Psoriasis tritt immer nur stellenweise und in Schüben auf. Lavendelöl ist zwar nicht in der Lage, die Schuppenflechte zu heilen, es verhindert jedoch die weitere Ausbreitung der Psoriasisflecken.

Gegen Haut- und Fußpilz

Lavendelöl hat exzellente Auswirkungen bei der Behandlung jeglicher Pilzerkrankungen. Vor allem bei Nagel- oder Fußpilz wirkt Lavendel pur aufgetragen bereits nach wenigen Anwendungen.

Appetitlosigkeit und Magen-Darmprobleme

Lavendelöl fördert die Bildung von Gallensaft. Die Galle dient dem Körper als Hilfe bei der Verdauung von Fetten. Durch die erhöhte Gallensaftproduktion kann der Körper mehr Fett verdauen, wodurch der Appetit steigt. Außerdem wirkt das Lavendelöl beruhigend auf die Muskulatur unseres Verdauungstraktes, was bei krampfhaften Bauchschmerzen förderlich sein kann.

Wundheilung und Verbrennungen

Bei Wunden solltest Du nur echtes Lavendelöl verwenden. Wegen der antiseptischen und antibakteriellen Wirkung des Linalools wirkt Lavendelöl vorbeugend gegen Entzündungen bei offenen Wunden. Durch den relativ hohen Gehalt an durchblutungsförderndem Kampfer, befördert der Körper auch mehr körpereigene Substanzen zur Wunde, welche der Heilung dienlich sind.

Das ist auch bei Brandwunden der Fall. Wenn Du Lavendelöl sofort aufträgst, verhindert es die Bildung von Brandblasen oder verringert deren Größe. Bei Sonnenbrand kühlt Lavendel die geröteten Hautflächen.

Tipp: Du solltest Lavendelöl nicht auf Wunden auftragen, die noch bluten. Dass verringert die Blutgerinnung und kann den Verschluss der Wunde stören.

Lavendelöl bei Schmerzen

Da Lavendelöl auch gute schmerzstillende Eigenschaften besitzt, kann es unter anderem bei rheumatischen Beschwerden zum Einsatz gebracht werden.

Während Schwangerschaft und Geburt

Für schwangere Frauen und frischgebackene Mütter ist Lavendelöl eine wunderbare Hilfe, die sich vielseitig einsetzen lässt. Während der Entbindung beruhigt es und entspannt während der leichten Wehen. Nach der Geburt hilft es beim Auskurieren von Dammschnitten, bei schmerzenden Brustwarzen und hilft, wunde Stellen der zarten Babyhaut zu heilen.

Gegen Muskelverspannungen

Bei überanstrengten Muskeln oder Muskelverspannungen durch eine Schonhaltung wirkt Lavendel im Massageöl hervorragend. Die beruhigenden Eigenschaften auf Nerven kommen dabei zum Einsatz.

Gegen Mundgeruch

Lavendelöl erfrischt den Atem als Zusatz zum Mundwasser zuverlässig, indem es den Mund- und Rachenraum desinfiziert.

Nebenwirkungen

Bei überempfindlichen Personen kann Lavendelöl zu Hautausschlägen und allergischen Reaktionen führen. Sollte Lavendelöl über einen längeren Zeitraum oral eingenommen werden, kann es zur Schädigung der Leber und diversen Vergiftungserscheinungen kommen. Zeichen einer Überdosierung sind ein Brennen im Mundraum, Schwindel, Erbrechen, Schmerzen, Krämpfe, Koma und Atemlähmung. In diesem Falle solltest Du dringendst einen Arzt aufsuchen

Anwendung

So vielfältig wie die Wirkungen, sind auch die Anwendungen des Lavendelöls. Für die äußerliche Anwendung bei Wunden und anderen Hauterkrankungen empfiehlt es sich, Lavendelöl mit einem guten Basisöl zu vermischen, etwa Leinöl, Jojobaöl oder Aprikosenöl.

Für Wunden aller Art

Ein gutes Mischungsverhältnis für Wunden ist 10 Tropfen Lavendelöl auf 20 ml Trägeröl. Du kannst die Hälfte des Lavendelöls auch mit Teebaumöl ersetzen. Das verstärkt die keimtötende Wirkung. Um eiternde, entzündete Wunden zu verarzten, mischst Du das Lavendelöl mit Alkohol. Als Mischungsverhältnis empfehlen wir 6 ml Lavendelöl auf 100 ml 80-prozentigen Alkohol. Du kannst echtes Lavendelöl auch pur auf Wunden auftragen. Deshalb eignet sich Lavendelöl perfekt für eine kleine Reiseapotheke.

Für Schmerzen und Muskelverspannungen

Für die Behandlung von Schmerzen und Muskelverspannungen kannst Du die Menge von Lavendelöl auf 20 Tropfen erhöhen. Wichtig ist, das Öl gut in die Haut einzumassieren. Nach dem Auftragen hilft Abdecken der Bereiche, Wärme zu erzeugen. Das intensiviert die Wirkung des ätherischen Öls. Eine Rotlichtlampe oder ein Heizkissen hat den gleichen Effekt. Bäder für Dammschnitt und zur Entspannung

Für Frauen mit einem Dammschnitt sind Sitzbäder mit Lavendelöl nach der Geburt perfekt. Dafür vermischst Du 3 Esslöffel Sahne mit 5 Tropfen Lavendelöl. Für ein Vollbad nimmst Du 100 ml Sahne und 15 bis 20 Tropfen Lavendelöl. Du kannst den Lavendel auch mit anderen ätherischen Ölen ergänzen, zum Beispiel Rosenöl oder Zitrusölen.

Die Sahne wirkt als Emulgator, sodass sich das ätherische Öl mit dem Badewasser vermischt. Gleichzeitig pflegt Sahne gemeinsam mit dem Lavendelöl die Haut und macht sie geschmeidig. Bei Hautkrankheiten beruhigt ein Lavendelbad die Haut, verringert Rötungen und beseitigt Jucken.

Lavendelöl in der Kosmetik

Die pflegenden Eigenschaften von Lavendelöl kannst Du einfach nutzen, wenn Du das ätherische Öl mit fertigen Kosmetika mischst, etwa mit Duschgel, Shampoo, Bodylotion oder Gesichtswasser. 5 Tropfen auf 50 ml ist ein Mischungsverhältnis, das sich dafür gut eignet. Achte jedoch darauf, dass die Kosmetikprodukte keinen allzu starken Eigengeruch haben.

Lavendelöl zum Reinigen

Lavandinöl ist eine preiswerte Alternative zum Öl aus echtem Lavendel. Es eignet sich hervorragend zum Reinigen von Böden, Fliesen und Armaturen und hinterlässt einen frischen Duft. Dafür kannst Du ganz einfach Neutralseife mit beliebigen Mengen von Lavandinöl vermengen. Am besten probierst Du an einer kleinen Menge aus, wie stark Dein Reinigungsmittel duften soll. Eine mittlere Menge sind 10 Tropfen ätherisches Öl auf 100 ml Neutralseife. Lavendelduft im Schrank

Mit ätherischem Öl kannst Du Deinen Schrank mit Duft erfüllen. Dafür füllst Du Lavendelblüten in durchlässige Säckchen ab. Besonders schnell geht das, wenn Du eine ausgediente Feinstrumpfhose in lange Teile schneidest und die Enden verknotest. Den Duft der Blüten verstärkst Du mit ein paar Tropfen ätherischem Lavendelöl. Dafür kannst Du gut das Speiklavendelöl nehmen. Dieser Duft durchdringt nicht nur Deine Wäsche und hält sie frisch. Er sorgt auch dafür, dass Insekten, wie beispielsweise Motten, Deinen Kleiderschrank vermeiden.

Lavendelduft für Haustiere

Milben und Flöhe schätzen den Duft von Lavendel überhaupt nicht. Du kannst ein paar Tropfen von dem oben beschriebenen Massageöl in das Fell Deiner vierbeinigen Lieblinge einmassieren, um Ungeziefer fernzuhalten. Zusätzlich ist es möglich, regelmäßig die Kissen und Polster Deiner Haustiere mit etwas reinem Speiklavendelöl zu beträufeln.

Herstellung

Lavendelöl wird hauptsächlich durch Wasserstoffdestillation gewonnen. Andere Herstellungsmethoden sind die Schleppdestillation oder das Einlegen in andere Öle, um so die Wirkstoffe des Lavendelöls zu extrahieren. Bei der Wasserstoffdestillation erhält man aus ca. 120 kg Blüten nur 1 Liter ätherisches Lavendelöl, was das Öl zu einem sehr wertvollen Rohstoff macht.

Lavendelöl selbst Herstellen

Lavendelöl ist auch sehr gut selbst herzustellen. Allerdings ist die selbst hergestellte Variante nicht dazu geeignet, therapeutisch angewendet zu werden. Dafür eignet sich nur Öl, welches destillativ gewonnen wird. Grund dafür ist die wesentlich höhere Wirkstoffkonzentration im ätherischen Öl. Selbst hergestelltes Lavendelöl eignet sich hingegen sehr gut als Badezusatz oder für den Einsatz in der Küche. Um Lavendelöl selbst zu erzeugen, ist es zuerst nötig, die geernteten Blüten an einem dunklen und kühlen Ort zu trocknen. Geben sie anschließend die getrockneten Blüten zusammen mit einem hochwertigen Speiseöl in ein Einmachglas und stellen sie dieses an einen warmen und dunklen Ort. Nach ca. 1 Monat ist der Prozess beendet und sie können die Blüten über einem sauberen Tuch abtrennen. Das erhaltene Öl geben sie am besten in eine Braunglasflasche und lagern es kühl.

Lagerung

Achten sie darauf, das Lavendelöl stets dunkel, kühl und trocken zu lagern. Lagern sie das Öl stets außerhalb der Reichweite von Kleinkindern. Sollte sich das Öl bei zu kalter Lagerung verfestigen, so ist dies kein Hinweis auf einen Qualitätsverlust, ganz im Gegenteil. Qualitativ hochwertige und reine Öle neigen dazu, sich bei Kälte zu verfestigen. Sollte dieser Fall eintreten, so reicht es aus, das Öl leicht zu erwärmen, um es anschließend normal weiterverwenden zu können.

Chemische Zusammensetzung

Aus den 3 Lavendelsorten lassen sich Öle mit ganz unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen gewinnen. Diese Unterschiede führen auch dazu, dass die Heilwirkung der Lavendelöle ganz verschieden ist. Hauptbestandteile von Lavendelöl sind Linalylacetat und Linalool. Bisher sind im Lavendelöl ca. 200 unterschiedliche Substanzen nachgewiesen worden, wobei jedoch nur die wenigsten bisher erforscht wurden.

Linalylacetat wird in der Parfumherstellung verwendet und ist für den typischen Lavendelduft verantwortlich. Auf Grund seiner guten Stabilität im basischen Milieu wird es auch oft in Seifen oder Waschmitteln eingesetzt. Der Gehalt an Linalylacetat ist heute ein Kriterium für die Qualität von Lavendelöl. Je höher das Anbaugebiet des Lavendels liegt, desto höher ist auch sein Gehalt an Linalylacetat und je höher der Gehalt an Linylacetat, desto höher ist die Qualität des Lavendelöls. Früher wurde minderwertiges Lavendelöl mit chemisch synthetisiertem Linalylacetat versetzt, um höhere Verkaufspreise zu erzielen. Heute kann man natürliches von künstlichem Linalyacetat unterscheiden und hochwertiges Lavendelöl besitzt geschützte Ursprungsbezeichnungen - ähnlich wie bei Wein.

Linalool findet als Geruchs- und Geschmacksstoff Verwendung. Es ist ein Zwischenprodukt bei der Synthese von Vitamin E und verantwortlich für die antiseptische, entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung des Lavendelöls.

Linalylazetat und Linalool zeichnen sich durch hohe Bioverfügbarkeit aus. Ob als Massageöl, im Badewasser oder in der Duftlampe: Beide Wirkstoffe verbinden sich im menschlichen Körper oder auf der Haut mit Fetten und können so Zellmembranen durchdringen und sogar die Gehirn-Blut-Schranke überwinden. Deshalb wirkt Lavendelöl schnell und umfassend.

Inhaltsstoff Echtes Lavendelöl Spiköl Lavandinöl
Linalylazetat 35-50 % 5-3 % 15 %
Linalool 30-45 % 40-50 % 30 %

Tbb1: Konzentration der Hauptwirkstoffe in den 3 unterschiedlichen Lavendelölsorten.

Kampfer wirkt durchblutungsfördernd, schleimlösend und bakterizid.

Cineol wirkt beim Menschen in der Lunge und den Nasennebenhöhlen schleimlösend und antibakteriell. Außerdem hemmt es bestimmte Neurotransmitter, die für die Verengung der Bronchien verantwortlich sind. Bei Asthma kann die Lungenfunktion durch die Gabe von reinem Cineol unter ärztlicher Kontrolle verbessert werden. Auch bei der Lungenerkrankung COPD (Raucherlunge) kann reines Cineol als Zusatzmedikation zur Standardtherapie die Lungenfunktion verbessern und auf diese Weise Exazerbationen (plötzliche verschlimmerung der Symptome) reduzieren.

Geschichte

Bereits die alten Ägypter schätzen Lavendelöl. Sie mumifizierten ihre Toten mit Leinen, das in frischem Öl des Lavendels getränkt war. Getrockneten Lavendel brannte man in Ägypten in Krankenzimmern ab, um die Heilung zu fördern. Bei religiösen Zeremonien verwendeten sie Lavendel wie Weihrauch.

Die Römer gaben dem Lavendel seinen heutigen Namen. Der Name kommt von dem lateinischen Wort lavare, das Waschen bedeutet. Sie untersuchten genau, welche gesundheitlichen Vorteile die violetten Blüten bieten. Lavendel setzen sie bei Magenschmerzen, Nierenleiden sowie Menstruationsbeschwerden und Gelbsucht ein.

Von Italien fand Lavendel schon bald seinen Weg nach Deutschland. Die berühmte Heilkundige Hildegard von Bingen rühmte bereits im 11. Jahrhundert die wohltätige Wirkung des Lavendels. Die Pflanzen wurden im späten Mittelalter häufig in Klostergärten eingesetzt und kultiviert. Paracelsus, der Vater der modernen Medizin, schätzte die Heilkraft der Lavendelpflanze bei Unruhe und bei Schmerzen aller Art.

Einen Boom erlebte Lavendelöl im 18. Jahrhundert als Bestandteil des berühmten Eau de Cologne, Kölnisch Wasser. In der Kölner Glockengasse mit der Nummer 4711 entstand das Parfum, eine Mischung von Zitrusnoten mit Lavendel. Napoleon Bonaparte soll verrückt danach gewesen sein und das Eau de Cologne sogar getrunken haben.

Botanik

Lavendel ist ein leicht behaarter, mit grauem Filz überzogener Strauch, der bis zu 1 m gross wird. Wild wächst Lavendel auf warmen, steinigen Böden auf einer Höhe von bis zu 2.000 Metern. Die Pflanze blüht in ganz Südwestasien einschließlich Indien, Afrika und den atlantischen Inseln. Besonders häufig kommt Lavendel im Mittelmeergebiet vor.

Auch in Nordeuropa fühlt sich Lavendel wohl. Er kann Frost überstehen und lässt sich von Schädlingen wenig beeindrucken. Als Zierpflanze ist Lavendel heute in zahlreichen Gärten und öffentlichen Parks zu sehen.

Seine Blätter sind bis zu 40-50 mm lang und gegenseitig angeordnet. Sie sind ganzrandig, länglich oder lanzettlich, verschmälern sich zu beiden Enden hin und sind am Rand leicht eingerollt. Wenn die Blätter frisch austreiben, also im jungen Zustand, sind sie an der Ober wie an der Unterseite mit einem grauen Filz bedeckt. Wenn sie älter werden, wechselt die Farbe ins Grüne.

Die Blüte des Lavendels ist zwittrig, mit einer doppelten Blütenhülle und meistens fünfzählig. Der Kelch der Blüten wird bis zu 7 mm lang, ist grauviolett und hat eine eiförmige Röhrenform. Die Zähne des Kelchs sind ungleich, da der obere an seiner Spitze die Form eines verkehrten Herzes hat. Die Blütenkrone hat eine violette Farbe und ist leicht zweilippig.

Die Blütenröhre steht ungefähr 11 mm vor. Die Oberlippe der Blüte besteht aus 2, die Unterlippe aus 3 zusammengewachsenen, etwa gleich großen Kronblättern. Die Blüte besitzt 4 Staubblätter, wobei die beiden vorderen etwas länger sind. Sie sind leicht nach unten gebogen und eingeschlossen. Die Fruchtknoten des Lavendels sind vierteilig und oberständig. Seine Blütezeit reicht je nach Anbaugebiet von Anfang Juni bis Ende August.

Kultivierung

Echter Lavendel wird hauptsächlich zur Gewinnung von Duftstoffen oder als Zierpflanze genutzt. Er wird rund um das Mittelmeer kultiviert, wobei die Anbaugebiete in der französischen Provence Berühmtheit erlangt haben. Sie sind mittlerweile zu einem Touristenziel geworden. Die Anbaugebiete für Lavendel haben sich in der Provence jedoch seit 2012 halbiert. Als Ursachen gelten Schädlinge und einige Kälteperioden. Mittlerweile wird Lavendel auch in Bulgarien und Moldawien erfolgreich auf weiten Flächen kultiviert.

Die Vermehrung der Pflanzen erfolgt durch Samen, sowie durch Teilung größerer Stöcke und wurzelbildender Seitentriebe. Der Lavendel bevorzugt halbtrockene, karge Böden und benötigt gemäßigte Temperaturen von 15-30 Grad. Geerntet wird der Lavendel sobald er blüht. Dies ist jedoch abhängig von seinem Anbaugebiet. Oftmals werden die einzelnen Blüten noch von Hand geerntet, und zwar immer zu Mittag, denn dann ist das meiste ätherische Öl in den Blüten enthalten.